Durchs Berner Oberland führt der Bärentrek zu spektakulären Landschaften, die als Prachtstück der Schweizer Alpen gelten
… viele Höhenmeter werden mit unvergesslichen Blicken belohnt.

Abenteuerlustige Briten entdeckten bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Schweizer Berge und bestaunten die Bergriesen Eiger, Mönch und Jungfrau – die höchste Steilwand Europas (fast 2000 Metern).
Sir Arthur Conan Doyle lies seinen Sherlock Holmes in die Tiefe der Reichenbachfälle stürzen, J.R.R. Tolkien formte die Gemeinschafts des Rings im Lauterbrunnental bzw. im davon inspirierten elbischen Bruchtal. Und an der Eigernordwand spielten sich legendäre Bergsteigertragödien ab.
Die Wanderung entlang dieses einzigartigen Panoramas ist fantastisch und inspirierend.

bei der Rotstockhütte

Überblick

Der Bärentrek verläuft entlang der Nordseite der Berner Alpen, eines in ost-westlicher Richtung verlaufenden Gebirgszug im Berner Oberland (Schweiz), das acht Viertausender und den längsten und größten Gletscher der Alpen (Aletschgletscher) beherbergt.
Der Bärentrek ist Teil der Via Alpina, einem Fernwanderweg, der von Lichtenstein bis zum Genfer See durch die ganze Schweiz führt. Welches Teilstück der Via Alpina der Bärentrek abdeckt, da unterscheiden sich die Beschreibungen: Die Langstrecke ist Meiringen-Grindelwald-Lauterbrunnen-Kandersteg-Adelboden-Gsteig.
Als Herzstück findet sich in allen Beschreibungen zumindest Grindelwald-Lauterbrunnen-Kandersteg.
Ich bin in zwei Anläufen die Strecke von Meiringen bis Kandersteg gelaufen.

Beschreibung, Tipps und Empfehlungen

Der Bärentrek führt am Fuß der Nordseite des Hauptgebirgmassiv der Berner Alpen über insgesamt sieben große Pässe von einem Tal ins nächste Tal. Meiringen (595m) ist der niedrigst liegende Ort, der höchste Pass ist das Hohtürli (2.778m). Dabei blickt man durchgängig auf das Massiv und die Steilwände, die sich vom Wetterhorn (3.692m) im Osten über Eiger (3967m), Mönch (4110m), Jungfrau (4.158m), Breithorn (3.780m) bis zum Wildstrubel (3244m) im Westen erstrecken.

Höhenmeter: ca. 18.000 HM (je nach Routenwahl)

Länge: ca. 132 KM (je nach Route)

Dauer: 8-12 Tage

Schwierigkeit: Der Weg ist gut ausgebaut, hat teilweise auch Asphaltpassagen, ist aber im wesentlichen eine klassische Hochgebirgstour mit Bergpfaden und einigen, kurzen alpinen Passagen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind nötig. Wegen der vielen Höhenmeter ist es eine anspruchsvolle Alpen-Wanderung.

Jahreszeit: Wie bei allen Hochgebirgstouren in den Alpen ist dies eine Sommertour, die i.d.R. von Mitte Juni bis Mitte September begehbar ist. Doch bitte immer den Wetterbericht checken.

Navigation: Der Bärentrek ist nicht als Bärentrek ausgeschildert. Vielmehr folgt man Wegpunkten auf der Karte (z.B. Hütten, Pässe), die in der Regel gut ausgeschildert sind. Dazu braucht es entweder GPS-Tracks für das digitale Navigieren oder Karten des Schweizer Alpenvereins.

Übernachtungen: Man kann die Tour entweder ohne Zelt als kombinierte Hütten- und ggf. Hotel-Tour machen. Oder man zeltet in den Orten im Tal (Meiringen, Grindelwald, Lauterbrunnen, Kandersteg, Adelboden, Lenk und Gstaad haben Campingplätze) und geht in den Bergen in Hütten. Denn selbst Schweizer:innen klagten über die hohen Preise in der Jungfrauregion. Es empfiehlt sich, die Hütten und Hotels im Voraus zu buchen. Ggf. fährt man zu einem Etappenziel bzw. -Start auch mit der Bahn von einem anderen Übernachtungsort aus. So sind z.B. die Übernachtungspreise an der Kleinen Scheidegg gesalzen und mit der Bergbahn kommt man gut nach Grindelwald, Wengen und Lauterbrunnen.

Etappenplanung: Der Bärentrek war unsere erste Hochgebirgstour nach über 20 Jahren. Und wir haben im ersten Anlauf ein Fiasko erlebt und mussten abbrechen. Denn in mehreren Beschreibungen werden acht Wandertage und zwischen 2.000 und 3.500 je Tagestour veranschlagt. Mag sein, dass das für fitte Bergwanderer:innen realistische Planungen sind, für uns waren sie zu viel. Würde ich die Tour nochmal planen, würde meine Planung in etwa so aussehen, wobei die Höhenmeter entscheidend sind:
Tag 1: Anreise Meiringen (595m), Aufstieg bis Große Scheidegg (1962m)
Tag 2: Abstieg bis Grindelwald (1034m)
Tag 3: Aufstieg bis Kleine Scheidegg (2061m) (ggf. wegen der Preise Übernachtung in Grindelwald o. Wengen (mit Zug erreichbar))
Tag 4: Abstieg bis Lauterbrunnen (795m) (ggf. inkl. Seilbahn/Zug bis Mürren)
Tag 5: Aufstieg bis Rotstockhütte (2039m)
Tag 6: Abstieg bis Griesalp (1408) oder Variante über Gspaltenhornhütte (2458m)
Tag 7: Aufstieg bis Blümlisalphütte (2834m) (höchster Punkt der Tour)
Tag 8: Abstieg bis Kandersteg (1176m)
Tag 9: Aufstieg über Bunderchrinde (2385m) und Abstieg bis Bonderalp (1755mm)
Tag 10: Abstieg entlang Adelboden (1348m) und Aufstieg bis Engstigenalp (1952m)
Tag 11: über Ammertenpass (2443m) bis Iffigenalp (1584m)
Tag 12: über Stigelschafber (2381m) bis Gsteig (1184m)
Die Strecke von Kandersteg bis Gsteig bin ich nie gewandert; sie hat ca. 5000 Höhenmeter. Hier musst Du also schauen, wie Du Dir die Tagesetappen einplanst.
Vom 1. bis zum 5. Tag, also von Meiringen bis Mürren, fahren quasi parallel zum Wanderweg Busse, Züge und Seilbahnen. Auch vom Oeschinensee bis Kandersteg kann man notfalls einen Teil der Strecke mit der Seilbahn überbrücken.

Extratour: Zwei Extratouren lohnen sich von der Kleinen Scheidegg aus. Zum einen kann man zum Männlichen laufen. Mit etwas mehr Abstand auf das Jungfraumassiv eröffnet sich die Weite und Größe noch einmal neu. (Von Wengen fährt hier auch eine Seilbahn hoch). Und wer das nötige Kleingeld hat, fährt mit dem Zug von der Kleinen Scheidegg durch das Bergmassiv zum Jungfrauenjoch und genießt den Blick auf den Aletschgletscher und Panorama. Fahrpreis: 120 Schweizer Franken. Ich habe mir das immer verkniffen.

Highlights am Weg:
Reichenbachfälle (an Tag 1) – legendäre Wasserfälle
Kleine Schiedegg (Tag 3) – Blick auf Eigernordwand und Jungfraumassiv
Wengen (Tag 4) – Blick auf das Lauterbrunnental
Gspaltenhornhütte (Tag 6) – Adlerhorst in der Steilwand
Oeschinensee (Tag 8) – einer der schönsten Bergseen der Alpen

Oeschinensee

Fazit

Gerade die Tour von Kandersteg nach Mürren/Lauterbrunntal ist ein absolutes Highlight meines Wanderlebens. Diese Landschaft lässt einen nie wieder los.

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