In einem Land voller Naturwunder und atemberaubenden Landschaften ist die Isle of Skye vielleicht der schönste Winkel. Der Skye Trail führt mitten durch Schottlands Vorzeigeinsel. Glück wer gutes Wetter erwischt.

Überblick
Der Skye Trail führt durch fantastische Landschaften und bietet Dir jeden Tag neue Wunder. Bei gutem Wetter kennen Glück und Staunen kaum ein Ende.
Obwohl er weder lang noch ein Klettersteig ist, gilt der Skye Trail jedoch als extrem anspruchsvollster Trail, der nur etwas für erfahrene Wandere:innen ist. Wer ihn wagt, muss sich mit Karte, Kompass oder Navigation im Gelände orientieren, denn er ist weder ausgeschildert noch ein offizieller Wanderweg des National Trail-Systems. Außerdem ist das Wetter hier auf den Inneren Hebriden sehr launisch bis meistens schlecht. Hinzu können Mückenschwärme kommen.
Im Netz finden sich zwar einige begeisterte Wanderberichte vom Skye Trail bei strahlendem Wetter. Doch solltest Du Dich mental auf erst einmal auf Regen einstellen. Und wenn dann aber die Sonne scheint, ist ein Traum.
Vom 19. bis 23. Mai 2022 bin ich auf dem Skye Trail gewandert und habe die Tour letztendlich wegen dichtem Nebel kurz hinter The Storr abgebrochen, so dass mir die beiden letzten Etappen noch fehlen. Alles Weitere zu meiner Wanderung findest Du unten.
Start & Ziel: Broadford bis Hubba Hunish, Ilse of Skye (beide Wanderrichtungen sind möglich)
Anreise: via Fernbus ab Inverness, Fort William oder weiter aus dem Süden; bitte rechtzeitig vorher buchen, da Busse oft mal ausgebucht sind
Länge: ca. 125-135 km (je nach Route)
Dauer: 5-7 Tage
Höhenmeter: 2600 HM
Schwierigkeit: schwer / anspruchsvoll (nur etwas für Profis)
Endgegner: Mücken, Regen und Nebel – eine gewisse Leidensfähigkeit ist hilfreich
Markierung: keine
Saison: Mai bis September, beste Reisezeit ist der Frühsommer, da es dann im Schnitt am wenigsten regnet; in der Hauptsaison ist die Isle of Skye schon ziemlich voll und vieles überlaufen und voll
Einkaufen: Portree in der Mitte des Trails ist der Hauptort mit guten Einkaufsmöglichkeiten (inkl. Outdoor-Artikel), Broadford im Süden hat auch einen Supermarkt (aber eine Gas-Kartusche gab es in dem Ort nicht), in Staffin im Norden gibt es vor Trailende auch einen Supermarkt, Du solltest als Verpflegung für mehrere Tage mitführen
Übernachtung: Dies ist eine klassische Zelt-Wanderung. In Schottland ist Wildcampen unter Beachtung der üblichen Regeln (u.a. nicht auf Privatgrundstücken und abseits von Siedlungen) legal. Die Unterkünfte auf der Isle of Skye sind teuer und in der Hauptsaison schnell ausgebucht. Du solltest also früh buchen, wenn Du mal ein festes Dach über dem Kopf haben willst. Selbst mit meinem Zelt bin ich Ende Mai auf mehreren Campingplätzen (ohne Reservierung) abgewiesen worden. Theoretisch wäre es mit Bus- und Taxi-Fahrten wohl möglich, südlich vom Parkplatz bei The Storr und ab Flodigarry durchgängig in Hotels, B&B und Hostels zu schlafen, doch mindestens für die Hochgebirgspassage im Norden braucht man zwingend das Zelt.
Ausrüstung: Volle Zeltausrüstung (mit regen- und windfestem Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kocher, Lebensmittel etc,) gute Navigation (GPS, Karte, Kompass), regenfeste Kleidung und Schuhe; Mückenspray bzw. Netze, Wanderstöcke
Bachdurchquerungen: Bei starkem Regen sind auf meiner Wanderung im Glen Sligachan die Bäche so angeschwollen, dass mir beim Durchschreiten das Wasser teilweise höher als über die Knie gegangen ist.
Warum gerade dieser Trail? Die Isle of Skye hat landschaftliche wohl alles zu bieten, was Schottland auszeichnet. Wo könnte man also in nur einer Woche voll in die Schottland-Romantik einsteigen?!
Und mich persönlich hat 2022 auch die Herausforderung gereizt, diesen schwierigen Trail zu wandern; wollte ich doch in 2024 mit dem PCT einen noch gewaltigeren Trail wandern, auf dem ich mich monatelang immer wieder für eine Woche in der Wildnis durchschlagen müsste; am Ende wurde es dann der GR 5.
Fotogalerie
Diese Fotos sind im Mai 2022 auf meiner Skye Trail-Wanderung und im Mai 2025 auf meiner Schottland-Tour (mit dem Auto) entstanden.



















Etappenübersicht
Der Skye Trail lässt sich in neun Abschnitten beschreiben:
Abschnitt 1: Broadford – Torrin (20 km / 12 mi)
Abschnitt 2: Torrin – Kilmarie – Elgol (16 km / 10 mi)
Abschnitt 3: Elgol – Camasunary Bothy (4,5 km / 3 mi)
Abschnitt 4: Camasunary Bothy – Sligachan (Ost-Variante: 12,5km / 7,5 mi; West-Variante: 16 km / 10 mi)
Abschnitt 5: Sligachan – Portree (19,5 km / 12 mi)
Abschnitt 6: Portree – The Storr (Ost-Variante: 18 km / 11 mi; West-Variante: 13 km / 8 mi)
Abschnitt 7: The Storr – Quiraing Car Park (19 km / 11,5 mi)
Abschnitt 8: Quiraing Car Park – Kilmaluag (Ost-Variante über Flodigarry: 11 km / 7 mi; West-Variante über Gebirge: 8 km / 5 mi)
Abschnitt 9: Kilmaluag – Rubba Hunish (4 km / 2,5 mi)
Ausklang: Rubba Hunish – Duntulm (Bushaltestelle) (2 km / 1,5 mi)
Diese neun Abschnitte lassen sich in 5 bis 7 Tagesetappen wandern, wobei Portree in der Mitte die Topografie des Weges teil. Südlich von Portree wanderst Du auf flacheren Wegen auch entlang höchsten Bergen der Isle of Skye in den Black Cuillin. Nördlich von Portree führt der Trail auf bis zu 700 Höhe durch die zentralen Gebirgsketten The Storr, Trotternish Ridge & The Quiraing. Erst ganz zum Ende / im Norden wird es dann wieder flacher.
Meine Wanderung
Tag 0: Anreise (18.05.2022)
Selbst mit dem Flugzeug dauert die Anreise so lange, dass ich eine Zwischenübernachtung einplanen musste. Und so fliege ich von Hamburg über Amsterdam nach Aberdeen und nehme den Bus nach Inverness, wo ich ein letztes Mal im Hotel absteige. Schon die Busfahrt durch die diesigen Highlands macht Lust auf mehr. Leider komme ich zu spät in Inverness an, um noch Proviant und eine Gaskartusche kaufen zu können. Abgesehen vom imposanten Schloss und der hübschen Lage am River Ness bleibt die Stadt aber nicht in Erinnerung.
Tag 1: Transfer nach Broadfort & Start bis Torrin (19.05.2022) (24 km)
Morgens begrüßt mich die Sonne und so blicke ich auf der Busfahrt durchs Great Glen gespannt auf Schlössern und Loch Ness. Leider reicht die Zeit nicht, um Eilean Donan Castle zu besichtigen, das wohl eines der TOP 5-Fotomotive von Schottland ist.
In Broadfort gibt es zwar einen großen Supermarkt und weitere Shops, so dass letzte Vorräte einkaufen kann, doch gibt es keine Gaskartusche, so dass ich ohne Brennstoff auf den Trail starte, womit im Zelt erst einmal warmes Essen und Tee von der Speisekarte gestrichen sind.
Die erste Kilometer auf dem Trail beginnen am Broadford River und führen gemütlich über die Landstraße gen Süden. Bei Swordale, der ersten verlassenen Siedlung, biegt der Weg gen Süden ab und führt erstmals entlang der Küste und durch weitere Geisterdörfer. Erster Nieselregen setzt ein. Die schroffe Küste bei Suisnish beeindruckt durch ihre schwarzen Steine. Der Weg hat zwar einige Steigungen, ist aber leicht zu machen und zu finden. Zurück in der Zivilisation suche ich hinter Torrin einen abgelegenen Zeltplatz, der jedoch nicht zu finden ist. So schlage ich mein Zelt auf einer Landzunge in Sichtweite der nächsten Farm bei etwas Abendsonne auf.
Tag 2: Torrin bis Sligachan (20.05.2022) (31 km)
Bei Sonnenschein starte ich über die Landstraße Richtung Süden und genieße die kurze Küstenpassage am idyllischen Friedhof von Kilmarie. Als ich nach dem Weg über den Bergrücken im kleinen Egol einkehre, nieselt es ganz ordentlich. Im kleinen Shop und Minicafe des Ortes schenkt man mir mitleidige Blicke, als ich mich nach einem kleinen Aufwärmen wieder auf den Trail und den zunehmenden Regen mache.
Entlang der Küste komme ich Richtung Norden gut voran und finde Mittags in der umbewirtschafteten Camasunary Bothy Schutz. Und siehe da: Hier hat jemand eine halbvolle Gaskartusche zurückgelassen. So trockne ich zwei Stunden meine Kleidung, mache mir ein warmes Mittagessen und entschließe mich schweren Herzens, die Tagestour nicht schon hier zu beenden.
Am Nachmittag wird der Regen intensiver. Am Weg liegen die höchsten Berge der Ilse of Skye und die Landschaft im Glen Sligachan ist fantastisch. Ein Weg lässt sich finden. Und doch bekomme ich zum ersten Mal ein Gefühl, wieso der Weg als anspruchsvoll gilt. Denn die Bäche schwellen an und ich muss an die fünfmal durch tiefes Wasser. Einmal knicke ich um und falle halb hinein. Dabei verliere ich einen meiner Wanderstöcke, den der Bach mit sich reist.
Als ich abends am Sligachan Hotel ankomme, haben sie spontan kein Bett mehr frei. Ich schieße ein paar Fotos von der ikonischen Sligachan Old Bridge und baue mein Zelt notgedrungen auf dem geschlossenen Sligachan Campsite auf.
Tag 3: Sligachan bis Portree (21.05.2022) – 20 km
Mein bester Tag auf dem Trail führt mich morgens bei Sonnenschein entlang des Loch Sligachan. Wunderbare Ausblicke bei faszinierendem Licht. Wieder ist kein Weg sichtbar aber gut zu finden. Ab Peinchorran kann ich über die Landstraße durch kleine Siedlungen nach Portree. Der Wechsel von Schauern und Sonnenstrahlen führt zu einem intensivem Lichtspielen und den typisch saftigen Farben.
Am frühen Nachmittag wünsche ich mir ein gemütliches Bett und eine warme Dusche. Doch ist laut dem Mann in der Touristeninformation in Portree, der hübschen Inselhauptstadt, trotz mehrerer Telefonate kein Zimmer mehr frei. So nehme ich kurzentschlossen einen Bus nach Kyle of Lochalsh, verlasse also die Ilse of Skye, um dort in einer einfachen Pension dem Regen zu entrinnen und im Restaurant zu essen.
Tag 4: Portree bis The Old Man of Storr (22.05.2022) (22 km)
Mit dem Bus kehre ich auf den Skye Trail (ab Portree) zurück. Ich entscheide mich für die Trail-Variante entlang der Küste. So wandere ich erst durch den Hafen von Portree und dann erstmals hoch hinaus auf die Steilküste, von wo man rechts aufs Meer und die Fischzucht-Anlagen sowie links auf den Stausee Loch Leathan. Der legendäre Blick über den See auf das Gebirge bleibt mir aber verwehrt, da Dauerregen und pfeifender Wind eingesetzt haben. Zwischendurch grüßen mich ein paar wettergegerbte Schafe. Sie kommen besser klar als ich, der trotz Regenkleidung bis auf die Haut nass ist.
In der Bushaltestelle am Fuß der Berge um The Old Man of Storr mache ich Pause und entscheide mich, den Aufstieg zu wagen. Denn der Regen hat aufgehört. Die klassische Aussicht mit der markanten Felsnadel und dem Loch Leathan im Hintergrund werde ich erst am nächsten Morgen (auf dem Rückweg) erahnen, denn 300 Meter über der Straße und dem Loch ist alles in dichten Nebel gehüllt. Mit Karte und ohne internet-unabhängiges GPS fällt die Orientierung schwer. Teilweise geht es rechts steil viele Meter runter. Als ich plötzlich vor einer weiteren Abbruchkante stehe, obwohl ich mich laut Karte auf einer ebenen HochFläche wähne, beginnen die Zweifel, ob ich mich hier gerade unvertretbar in Gefahr bringe. Eine Stunde später finde ich in dem bergigen Terrain endlich eine flache, windgeschützte Stelle zum Zelten. Nachts gehe ich immer wieder meine Optionen durch: 1. Weiter wandern, 2. ein paar Tage in Portree auf besseres Wetter warten, 3. abbrechen.


Tag 5 & 6: Rückreise (23./24.05.2022)
Morgens kann ich zwar vor dem Zelt keine 100 Meter weit sehen, dafür funktioniert auf meinem Handy plötzlich mit gutem Internet. Wir sind ja hier nicht in Deutschland. Laut Wetterbericht soll sich das Nebel-Regen-Wetter in der nächsten Woche halten.
Nach einem morgendlichen Telefonat mit meiner Freundin entscheide ich mich schweren Herzens für die vernünftige Option, die Tour lieber abzubrechen. Denn die Nebel-Wanderung auf bis zu 700 Meter Höhe durch die Berge der Trotternish Ridge mit ihren steilen Abbrüchen ist mir zu riskant. Wenn ich mich hier verlaufe, dann ist die nächste Straße bis zu 20 KM entfernt. Das ist mir zu gefährlich – und von der grandiosen Landschaft habe ich im Nebel auch nichts.
So wandere ich zurück zum Parkplatz bei The Storr, nehme den Bus nach Portree, bekomme nach mehreren Absagen doch noch einen Platz in einem Fernbus und reserviere unterwegs ein schickes Hotel in Inverness und buche meinen Flug auf den nächsten Tag um.
Bonus (2025):
Drei Jahre später und zehn Tage früher im Mai kehre mit dem Auto auf die Isle of Skye zurück und erwische das Traumwetter, von dem ich 2022 nur geträumt habe. Ich suche viele Wegpunkte des Skye Trail auf, die mit dem Auto oder einem Spaziergang erreichbare sind. Welche Traumlandschaft der Trail gerade im Norden bei Sonne bietet. Viele Fotos oben stammen von dieser 2025er-Tour.
Fazit
Wer ihn wagt und mal gutes Wetter erwischt, erlebt eine unvergessliche Wanderung. Der Skye Trail ist nichts für Anfänger:innen und bei schlechtem Wetter nicht unriskant. Ohne Internet-unabhängige GPS-Navigation würde ich ihn nicht noch mal antreten.
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