Bestenlisten gibt es viele. Hier ist meine.
Drei Regeln:
1. Ich habe früher das Album abgöttisch geliebt & monatelang gehört.
2. Ich mag es immer noch.
3. Nur ein Album je Künstler:in.
… und damit sind dies eher meine 48 persönlichen Darlings und nicht eine Sammlung der besten Alben ever. Ja, die ruhigen Töne überwiegen und wenn es um einzelne Songs gehen würde, wären die 60er und 80er Jahren, Rockmusik und andere Künstler:innen sicherlich stärker vertreten. Dennoch hoffe ich, dass Du beim Stöbern ein paar neue Lieblinge für Dich entdecken kannst.

The Atlantic Singles Collection 1967-1970 (2018)
Aretha Franklin
Die besten Jahre der größten Sängerin aller Zeiten sind auf dieser Compilation vereint. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich erst mit diesem Album so richtig der Magie der Queen of Soul erlegen bin. Trotz Klassikern wie Respekt liebe ich doch vor allem die Balladen wie Do right woman, do right man.
Anspieltipp: I say a Little prayer

Abbey Road (1969)
The Beatles
Lange würde es würde nicht mehr gut gehen. In dieser Gewissheit trafen sich die vier Beatles im Sommer 1969, um ein letztes Mal eine Platte aufzunehmen. George Harrison bekommt mit Something und Here comes the sun endlich mehr Platz. Neben weiteren Klassikern wie Come together (Lennon) und Octopus‘s Garden (Star) ist es doch gerade die B-Seite, die mit ihren Medleys Fans wie mich glücklich macht. Zum Ende spielt die größte Band aller Zeiten noch einmal frei und voll auf. Perfekte Popmusik.
Anspieltipp: Golden Slumbers / Carry that weight / The end

The Singles 1969-1973 (1973)
Carpenters
„Easy Listening“ at its best. Lange wäre mir diese Musik zu zuckersüß und kitschig gewesen. Doch mittlerweile gibt es Tage, an denen ich mich in die harmonischen Kunstwerke des Geschwisterpaars wie Rainiy Days and Mondays, Close to me oder Yesterday once more reinsetzen könnte. DAS beste Studio-Album gibt es für mich nicht. Und so fasst diese Singles-Collection gut ihre ersten und besten Jahre zusammen.
Anspieltipp: (They Long to be) Close to me

Tumbleweed Connection (1970)
Elton John
Tumbleweed Connection ist ein Songzyklus über den amerikanischen Westen und besticht – ähnlich Pet Sounds – eher durch die das Niveau als homogenes Album, denn durch die Megahits, die Elton John zum erfolgreichsten Musiker der 1970er machten. (Wer diese sucht, kaufe sich – wie ich auch – eine Best of oder z.B. Goodbye Yellow Brick Road (1973).) Dieses feine Album zwischen Folk und Singer-Songwriter erntete auch Anerkennung von Kollegen wie Bob Dylan.
Anspieltipp: My Father’s Gun

Meddle (1971)
Pink Floyd
Sicher: Wer (fast) alle Pink Floyd-Hits der klassischen Phase auf einem Album haben will, die/der kauft sich das Live-Album Pulse (1995). Doch auf Meddle ist Echoes, ihr bester und längster Song (23:31) voller Instrumentalparts, aufbauender Spannung, wunderbarer Melodie und – Walgesängen! Und auf der ersten Seite reihen sich nach dem treibenden Opener One of these days feinste Folk-Song-Perlen aneinander. Damit schlägt Meddle die Brücke zwischen den psychedelischen frühen Jahre und den Progrock-Hymnen der 1970er Jahre.
Anspieltipp: Echoes

Negotiations and Love Songs (1971-1986) (1988)
Paul Simon
Nach dem Ende von Simon & Garfunkel ging Paul Simon solo neue Wege, experimentierte mit Rhythmen und Musiktraditionen anderer Kontinente, mit Jazz und anderen Musikrichtungen. Die neusten Songs auf diesem Best of-Album stammen von Graceland, so seiner gefeierten wie umstrittenen Zusammenarbeit mit südafrikanischen Musiker:innen. Die Kritik hebt immer wieder die Finesse und Vielschichtigkeit von Paul Simons Songs und Arrangements hervor. Mich berührt vor allem, wie eindringlich, harmonisch und warm Balladen wie Something so right, Hearts and Bones oder Still crazy after all these years sind.
Anspieltipp: Something so right

Tapestry (1971)
Carole King
Nach gescheiterter Ehe nimmt Carole King den Prototyp des erwachsenen, lebensklugen Albums auf und wird zum Vorbild für Generationen weibliche Singer-Songwriter. Neben neuen Hits wie So far away, You’ve got a friend und It’s too late stehen drei neu interpretierte Klassiker aus den Jahren als Hitmaschine mit ihrem Ex-Mann (Goffin/King). Die piano-geprägten Songs sind gleichzeitig selbstbewusst und kraftvoll als auch melodiös, zärtlich und persönlich. Nicht jede hat eine Joni Mitchell und James Taylor in ihrer Begleitband – Carole King schon. Das Album war künstlerisch wie kommerziell ein Megaerfolg.
Anspieltipp: It‘s too late

Pink Moon (1972)
Nick Drake
In zwei Nächten spielte Drake in der Küche seiner Elternhauses dies eindringliche und reduzierte, tief traurige und wunderschöne Album ein, bevor er nicht viel später an einer Überdosis Antidepressiva starb. Zeitlebens litt er unter seiner Erfolglosigkeit. Bekannt wurde er erst posthum, als VW den Song Pink Moon 1999 in einer Werbung verwendete. Verdientermaßen gehört er heute zum Kanon der großen Singer-Songwriter. Schon seine ersten beiden Alben bieten einige wundervolle Songs, doch mit Pink Moon und Songs wie dem Titelstück, Wich will, Place to be oder Things behind the sun hinterlies uns Drake sein keine halbe Stunde langes Meisterwerk.
Anspieltipp: Which will

I can stand a little rain (1974)
Joe Cocker
Das ruhigste und schönste Album des großen britischen Soulsängers nahm er in seiner dunkelsten, von Drogen und finanziellen Sorgen geprägten Phase auf. Und trotzdem (oder deshalb?) strahlen die mit viel Klavier, Bläsern und Background-Chören aufgenommenen Songs viel Wärme, Energie und Herz aus. Neben Klassikern wie Guilty und You are so beautiful verzaubern die ruhigen Songs wie das Titelstück, The moon is a harsch mistress oder etwa It‘s a sin when you love somebody, die mir in melancholischen Stunden viel Trost gespendet haben.
Anspieltipp: It‘s a sin when you love somebody

Pretzel Logic
Steely Dan
(1974)
Rikki don‘t lose that number ist der Opener und Hit von Steely Dans dritten Album, das zu gleich das letzte als Band war. Danach setzten Donald Fagen und Walter Becker das Steely Dan-Projekt mit wechselnden Studiomusikern fort und trieben den ursprünglich charttauglichen Sound aus Rock, Pop, Funk, R & B und Jazz zunehmend in Richtung Art-Rock. Während Aja (1977) oft als der Band-Höhepunkt gilt, mag ich Pretzel Logic und Katy Lied (1975) wesentlich mehr, da sie die besseren Songs haben und bodenständiger sind. Besonders liebe ich Any major dude will tell you, das schon alleine die Scheibe als bestes Album der Band über die Ziellinie trägt.
Anspieltipp: Any Major dude will tell you

The lamb lies down on Broadway (1974)
Genesis
Die Spannungen zwischen Peter Gabriel und dem Rest von Genesis waren bei der Aufnahme so stark, dass sie danach getrennte Wege ging. Das letzte gemeinsame Album ist auch das beste von Genesis. Es enthält viele verspielte und teils seltsame Songs, aber auch Klassiker wie The carpet crawlers und The Lamia – Melodien so herrlich und zuckersüß. Und doch ist die Story des Konzeptalbums nicht ohne, die die Reise eine Puertoricanischen Punks nach New York erzählt.
Anspieltipp: The Lamia

Running on empty (1977)
Jackson Browne
Sein drittes Meisterwerk in Folge nahm Jackson Browne auf Tour auf der Bühne, im Tourbus und in Hotelzimmern auf. Es erzählt von den Schattenseiten des Tourlebens und ist geprägt durch große Rock‘n‘Roll-Songs wie Running on empty und You love the Thunder und einfühlsame Balladen wie The Road, Rosie und The Lord-Out. Browne ist ein Meister der Melodien.
Anspieltipp: The Load-Out / Stay

Super Trouper (1980)
ABBA
Auf dem vorletzten Album präsentiert sich ABBA gereift und zeigt einmal mehr wie komplexproduziert perfekte und eingängige Popmusik geht. The Winner takes it all – ihr bester Song überhaupt – spiegelt den Zerfall der Ehen der Bandmitglieder. Super Trouper, Me and I, Lay all your love on me und andere Songs sind mal wieder perfekte ABBA-Hymnen. Dies Album schließt ABBAs Hochphase ab; und eigentlich müsste jedes Album aus den Jahren 1975 bis 1980 hier gewürdigt werden.
Anspieltipp: The Winner takes it all

The Concert in Central Park (1982)
Simon and Garfunkel
Elf Jahre nach dem offiziellen Ende kommt das erfolgreichste Pop-Duo noch einmal für ein großes Benefiz-Konzert in seiner Heimatstadt zusammen und spielt neben großen Klassiker wie Mrs Robinson, The Boxer und The Sound of Silence auch einige Stücke aus den Solo-Karrieren, so z.B. 50 Ways to leave your lover und A heart in New York. Ein guter Einstieg in die Songwelt der beiden New Yorker. Denn viele Live-Versionen klingen frisch, lebendig und mitreißend. Die stärksten Songs finden sich am Anfang und Ende des Konzertalbums.
Anspieltipp: America

Live / 1975-1985 (1985)
Bruce Springsteen & The E-Street Band
Springsteen ist ein Live-Künstler und hatte seine klassische Periode zwischen 1975 und 1985. Deshalb ist dieses Livealbum, das als Vinyl nicht weniger als fünf LPs umfasst, der beste Einstieg in das Werk eines der größten Rockmusikers. Und ja, er hat auch bedeutende Studioalben (u.a. The Rising, 2002) bis in die heutige Zeit vorgelegt. Doch dies epische Album fängt das Phänomen Springsteen und E-Street-Band perfekt ein und vereint viele seiner Hymnen, noch dazu in besseren Versionen als auf dem Studioalbum (z.B. The River, I’m on fire und vor allem Racing in the streets). Einzig Dancing in the dark fehlt schmerzlich.
Anspieltipp: Racing in the streets

Enlightenment (1990)
Van Morrison
Morrison wechselte mit Avalon Sunset (1989) und Enlightenment (1990) zu einem ruhigeren, wärmeren und eingängigeren Stil. Für Puristen sind die 1970er und gleich die ersten Solo-Alben das Non plus ultra (ich seine Hochphase und Moondance auch), doch waren Songs wie das So quit in here, Real real gone und der Titeltrack mein Einstieg in das Werk des großen irischen Soulmusikers. Und wenn man sich einmal seine Musik – menschlich muss er eher schwierig sein – verliebt, lässt sie einen nicht mehr los.
Anspieltipp: So quiet in here

Twin Peaks (OST) (1990)
Angelo Badalamenti
Viele Soundtracks prägen unser Leben und unsere Hörgewohnheiten. Oft stammen sie von Größen wie John Barry, Henry Mancini, Ennio Morricone, Rachel Portman, John Williams oder Hans Zimmer. Doch bewusst sei hier ein weniger bekannter Komponist hervorgehoben. Angelo Badalmenti prägte mit seinem geheimnisvollen, traurig-tröstlichen und schweren Sound die Stimmung der besten Fernsehserie der 1990er Jahre entscheidend und erhielt dafür zahlreiche Preise. Besonders die ersten beiden Stücke Twin Peaks Theme und Laura Palmer‘s Theme sind ikonisch und bis heute in viele Reportagen im Fernsehen als Untermalung zu hören.
Anspieltipp: Twin Peaks Theme

… affrocke !! (1991)
BAP
Das zweite Live-Album der besten deutschen Band der 1980er Jahre vereint fast alle wichtigen Songs der klassischen BAP-Besetzung. Die köllsche Band gibt alte Rocker wie Frau, ich freu mich, Ne schöne Jrooß und das unverwüstliche Verdamp lang her mit neueren Songs wie Ex, hopp & weg zum besten. Doch liebe ich vor allem die ruhigeren Nummern wie Helfe kann dir keiner, Jraaduss, Anna oder Bleifoss. Leider fehlen Do kanns zaubre, Kristalnaach und Waschsalon. Also vielleicht doch noch das erste Live-Album Bess demnähx (1982) besogen.
Anspieltipp: Helfe kann dir keiner / Jraaduss

Automatic for the people (1992)
R.E.M.
Die ehemalige Uni-Radioband aus Athens hatte sich mit dem Vorgängeralbum (mit Megahits wie Losing my Religion) in den Mainstream gespielt, ohne die Herzen der Alternativ-Rock-Community zu verlieren. Doch statt das nächste Album voller Popperlen und Indi-Rockklassiker nachzuschieben, kam dieses wunderbare warme und in sich ruhende Herbstalbum, das eher an Folk und Country orientiert ist. Als musikalisches Kind der 90er kann man ohne Songs wie Man on the Moon, Everybody Huts oder Find the River nicht mehr sein.
Anspieltipp: Find the River

Weißes Papier (1993)
Element of Crime
Für jeden erdenklichen Liebeskummer und jede Spielart von Melancholie haben EOC offenbar den passenden Song. In dem Mix aus deutschsprachigem Chanson, Singer-Songwriter, Jazz und Indi-Rock ergänzen Trompe, Saxophon, Akkordeon und Streicher die die klassischen Gitarren und das Schlagzeug. Der eigenwillige warme, melancholische und ironische Stil von EOC haute gleich mich um, als ich frisch verliebt zum ersten Mal Damals hinterm Mond (1991) auf einer Fahrt durch den nebelverhangenen Solling hörte. Den Durchbruch schafften EOC dann mit Weißes Papier, das voller instrumentiert ist und mit traumhaften Songs wie dem Titelstück, Schwere See oder Du hast die Wahl mein Herz für immer eroberte.
Anspieltipp: Weißes Papier

Dummy (1994)
Portishead
Man nannte es Triphop, die Verschmelzung von Elektronischer Musik mit Hip Hop, Soul, Dub und Jazz. Ergebnis: atmosphärisch dichte, hypnotisierende und melancholische Sounds. Mysterios, Sour Times, Roads und Glory Box sind einige der unvergleichlichen Klassiker, die von Beth Gibbons geheimnisvoll gesungen, von Geoff Barrow raffiniert programmiert und Adrian Utly spärlich instrumentiert werden. Ein eigenartige und unvergessliche Musik. Und die beiden Nachfolgealben fallen im Niveau nicht ab.
Anspieltipp: Sour Times

Mellon Collie and the Infinite Sadness (1995)
The Smashing Pumpkins
Einen irrwitzigen Crossover-Mix aus melancholisch-zuckersüßen Melodien die abrupt mit brachialen Prog-Rock-Getöse liefert die Band aus Chicago hier ab, nachdem sie schon in den Jahren vorher Grunge-Hymnen wie Today und Disarm vorgelegt hat. Doch schon die ersten Singles dieses Doppelalbum Bullet with butterfly Wings, 1979 und Tonight, Tonight machte eine Spannweite auf, dass man kaum glauben konnte, dass diese Songs von der gleichen Band stammten. Ich mag vor allem die Songs, die ruhig beginnen und dann ihre Spannung immer weiter aufbauen, so Galalogos oder Porcelina of the wast ocean. Doch bei allem Glück gibt es auch Lieder, die schwer zu hören sind.
Anspieltipp: Galapogos

The Boatman‘s Call (1997)
Nick Cave & the bad seeds
Der Meister der Düsternis kann es auch tröstlich. Für mich seine zugänglichste und wärmste Platte. Hatte er auf dem letzten Album Murder Ballads noch dutzende Morde beschrieben, kehrte er hier alleine am Klavier sein vom Liebeskummer mit PJ Harvey gebrochenes nach außen. Einen Teil der Songs hat er in der Entzugsklinik geschrieben. Into my Arms, Lime tree arbour, Brompton Oratory, (Are you) the one that I’ve been waiting for? oder Idiot Prayer waren schnell Instantklassiker.
Anspieltipp: Into my arms

Either/Or (1997)
Ellioth Smith
Spätestens durch den Soundtrack zu Good Will Hunting wurde Ellioth Smith auch einem breiterem Publikum bekannt. Drei Songs stammten von diesem, seinem dritten und erfolgreichsten Album. Ruhige Folknummern wie Between the Bars, Punch and Judy, Angeles und Say Yes wechseln sich mit schnellerem Folkrock wie Ballad of big nothing ab. Die Stimmung und Texte der Songs spiegeln Smith Kampf gegen seine Drogensucht und seine Depressionen wieder.
Anspieltipp: Between the bars

Nighttown (1997)
The Walkabouts
Was habe ich diese Americana-Band aus Seattle damals geliebt, als sie nach temporeicheren Alben gegen Ende der 1990er Jahre auf entschleunigtere Platten umgestellt haben. Nach dem Single-Hit The Light will stay on auf dem starken Vorgängeralbum Devil’s Road legen findet die Band um Chris Eckman und Carla Torgerson zur Perfektion. Die Songs sind wie eine warme Kuscheldecke an einem kalten Winterabend inkl. Tee und Kaminfeuer. Für mich ist jeder Song ein Hit, doch greife ich einfach mal Lift your burdons up, Slow red down und Unwind hervor.
Anspieltipp: Lift your burdons up

This is my truth tell me yours (1998)
Manic Street Preachers
So geht hymnischer, schnörkelloser und trostspendender Indirock, der jedoch auch seine Ecken und Botschaften hat. Die explizit links stehende walisische Band feierte erst nach dem Verschwinden ihres Bandleaders überraschend ihre größten Erfolge. The Everlasting, das Titelstück oder You’re Tender and you’re tired sind absolute Hymnen voller Pathos und einem Hauch Soul.
Anspieltipp: You‘re tender and you‘re tired

Moon Safari (1998)
Air
Das französische Elektro-Duo Air drang mit Moon Safari weit in Hörerkreise vor, die sonst dieser Musikrichtung wenig aufgeschlossen war. Die Singles Sexy Boy, All I Need und You Make It Easy spannen die Bandbreite zwischen ruhigem Elektro, Easy Listening und Pop. Die Stücke erinnern abwechselnd an Serge Gainsbourg, Burt Bacharach oder sogar Pink Floyd. Teilweise sind sie schwebend, teils fast schmierig, teils betörend und teils hypnotisierend. Eine besondere Platte, von er ich besonders den Opener La femme d‘argent und All I Need mag.
Anspieltipp: La femme d‘argent

Old Nobody (1999)
Blumfeld
Die intellektuellste Band der Hamburger Schule wendet sich mit ihrem dritten Album den persönlichen Fragen zu. Es ist harmonischer und zugänglicher als seine Vorgänger und für mich ein mitreißendes Album.
Anspieltipp: Kommst Du mit in den Alltag

Live at the Roxy Theatre (2000)
Brian Wilson
Das Mastermind und Genie hinter den Beach Boys gibt nach vielen dunklen Jahren hier ein mitreißendes und herzerwärmendes Comeback-Konzert. Spätestens ab „California Girls“ ist er im Flow und führt durch die wichtigsten und schönsten Songs seiner Solojahre und der Beach Boys-Zeit. Erst mit diesem Album habe ich verstanden, warum er von so vielen Musiker:innen als Genie der Melodien und Harmonien verehrt wird.
Anspieltipp: Love and mercy

Out of Season (2002)
Beth Gibbons & Rustin Man
Vom Mainstream ignoriert und von der Fachpresse und Fans gefeiert legt die Sängerin von Portishead gemeinsam mit ihrem Mann (ehemals Talk Talk) dieses schwerelose, eindringliche und bezaubernde Meisterwerk hin. Kerze an, Kopfhörer auf und los.
Anspieltipp: Drake

Long gone before daylight (2003)
The Cardigans
Nach vier Jahren Pause fand die schwedische Band zu einem ungewöhnlichen Comeback wieder zusammen, das sich eher nach Singer-Songwriter und der Soloplatte A Camp (lohnend!) ihrer Sängerin Nina Persson klang, als nach dem bisherigen Bandsound. Denn zuvor hatten die Cardigans mit eingängigen Popnummern wie Carnival und Lovefool die Charts erobert und sich dann mit elektronisch-rockigeren Nummern wie My favourite Game etabliert. Die Band musste lange feilen und den Produzenten wechseln, bis Songs wie Communication, You‘re the Storm, For what it‘s worth, Live and learn oder 03:45 No Sleep den gewünschten 70er-Sound von Neil Young oder Paul Simon-Platten hatten. Die Mühe hat sich gelohnt.
Anspieltipp: For what it‘s worth

Die Reklamation (2003)
Wir sind Helden
Die Helden etablierten einen neuen, selbstbewussten Stil deutscher Musik, quasi eine NDW 2.0, der dann Bands wie Silbermond und Juli folgten. Doch das Original bleiben Wir sind Helden mit ihrem Mix aus eingängiger und mitreißender Popmusik und den intelligenten „wir verweigern uns gegen den Zeitgeist und denken anders und frei“-Texten von Sängerin Judith Holofernes. Politisch-korrekte Popmusik mit leichter Punkattidüde die auch noch Spaß macht?! Perfekt ist das deutsche Popwunder der 2000er Jahre. Guten Tag, Ist das so? oder Aurelie sind nur drei der tollen Songs. Und zu Glück kamen danach noch eine gute Karriere mit drei weiteren Alben.
Anspieltipp: Guten Tag (Die Reklamation)

Music in a foreign language (2003)
Lloyd Cole
Intime, persönliche, berührende Musik mit spärlicher Instrumentierung und warmer Stimme legt Lloyd Cole hier vor. Auf den ersten Blick wirkt das Album unscheinbar. Sein feinem Stil bewegt sich zwischen zartem Pop und Singer-Songwriter. My Other Life, Late Night Early Town und Today I‘m not so sure haben mich gut durch manchen ruhigen Abend begleitet.
Anspieltipp: Today I‘m not so sure

Franz Ferdinand (2004)
Franz Ferdinand
Ein Album für die Ewigkeit, das man komplett Album durchtanzen kann, denn der Britpop 3.0 der stilbewussten Schotten hat keine Längen und besticht auch über die Hits wie Take me out und Darts of Pleasure hinaus.
Anspieltipp: Darts of Pleasure

Separationen Road (2007)
Anna Ternheim
Nach ihrem fulminanten Debut legte die Singer-Songwriterin ein ebenbürtiges Album nach. Ternheim schafft himmlische Melodien und eine sehr intime und wohlige Atmosphäre. Hochsympathisch präsentiert sich die Schwedin auf Konzerten. Neben einigen Midtempo-Songs sind es doch vor allem die ruhigen Lieder, die mich begeistern, so No subtile man, Tribute to Linn, Halfway to fivepoints und das Bowie-Cover China Girl.
Anspieltipp: No subtile man

XX (2009)
The xx
Cool, kühl, betörend – so ist der Sound des Debutalbums der Londoner Elektro-Indi-Band, in der sich die Sängerin und Sänger hypnotisch die Zeilen zuspielen. Sehr einfache Beats und Synthesizer ergänzen die klassische Instrumentierung. Alles wirkt minimalistisch. Das Album war gleich ein Kritiker:innen und Publikumsliebling.
Anspieltipp: Crystalised

Sky Blue Sky (2007)
Wilco
Eine Schande, hier nicht jedes Wilco-Album zwischen 1999 und 2011 aufzuführen. Denn die Band aus Chicago hatte einen Lauf. Jedes Album ein anderer Stil – mal Artrock, mal Americana, mal Krautrock. Dies ist ihr Singer-Songwriter-Album und hat nach überwundener Depression und Tablettensucht des obersympathischen Bandleaders Jeff Tweedy eine wunderbare, warme und positive Note, nicht zuletzt dank zauberhaften Balladen (Sky Blue sky, Either Way, Leave me), wenigen Rocknummern (Hate it here) und dem herrlichen Gitarrensolo (Impossible Germany) für alle, die sowas bisher nicht mochten.
Anspieltipp: Either Way

Gisbert zu Knyphausen (2008)
Gisbert zu Knyphausen
Gisbert steht eher in der Tradition von amerikanischen Songwritern wie Conor Oberst (Bright Eyes) oder Elliott Smith denn der deutschen Liedermacher. „Denn jeder Tag ist ein Geschenk, es ist nur scheiße verpackt“ (Das Leichteste der Welt) fasst er Jahre später das Motto seiner Kopf hoch-Texte zusammen. Er ist der Meister der lebensklugen Zweizeiler und hat mir gerade mit seinem Debutalbum durch schwere Zeiten geholfen. Danke dafür! Das Repertoires reicht dabei von ruhigen Fingerpicking-Songs (Spieglein, Spieglein) bis Rock (Sommertag).
Anspieltipp: Wer kann sich schon entscheiden?

Monday‘s ghost (2008)
Sophie Hunger
Sophie Hungers Stil ist eigenwillig, vielschichtig und zauberhaft. Die Schweizerin singt in nicht weniger als vier Sprachen (Englisch, Französisch, Deutsch und Schweizer-Deutsch). Ihr zweites Album Monday’s Ghost wurzelt noch sehr im Singer-Songwriter-Genre. Später gewinnen Jazz, Chanson, Rock und Elektro an Einfluss hinzu. Mindestens bis 2015 hat jedes Album sehr starke Songs, aber auch weniger zugängliche Stücke. Ich kann Monday’s Ghost noch am besten durchhören. Klassiker sind Walzer für Niemand, Spiegelbild und Tell the Moon.
Anspieltipp: Tell the moon

Live in London (2009)
Leonard Cohen
Im hohen Alter geht Cohen noch einmal auf große Tournee und spielt viele Klassiker aus allen Phasen seines Schaffens. Anders als andere hat er dabei in jedem Jahrzehnt unvergessliche, warme und scharfsinnige Songs vorgelegt hat. Und wer von dieser Musiker noch nicht genug hat oder Songs wie „Alexandra leaving“ vermisst, stöbere ergänzend auf „Live in Dublin“ (2014).
Anspieltipp: So Long, Marianne

The Suburbs (2010)
Arcade Fire
Ein irrwitziges Spektakel feiern die sieben Kanadier um das Ehepaar Buttler/ Chassagne. Gäbe es Wilco nicht, würde ich sie zur besten Band der Nullerjahre küren. Die ersten vier Alben sind alle super, doch ihr drittes wohl am perfektesten. The Suburbs, Ready to start und Spraw II sind Perlen auf jeder Indi-Party.
Anspieltipp: Spraw II (Mountains Beyond Mountains)

Mutual Friends (2011)
Boy
Das deutsch-chweizer Duo Steiner/Glass landeten mit Little Numbers einen veritablen Indi-Hit. Doch ihr Debutalbum hat viel mehr zu bieten. Eine entspannte Folk-Pop-Perle reicht sich an die nächste, so Army, Drive Darling oder July. Ein Album zum verlieben.
Anspieltipp: Little Numbers

El Camino (2011)
The Black Keys
„Play loud“ – Nie war dieser Aufkleber angemessener als auf diesem Blues-Rock-Album des Duos Dan Auerbach/Patrick Carney. Es ist voll an unwiderstehlichen Grooves. Die Intros sind ein Fundus für Fernseh-Jingles, so z.B. Lonely Boy, Gold on the Ceilling, Run right back, Sister oder Nova Baby. Als Rockmusikfan ist man schockverliebt.
Anspieltipp: Gold on the Ceiling

Erste Liebe, letzter Tanz (2012)
Felix Meyer
15 Jahre war Felix Meyer mit Freunden und Band durch deutsche und südeuropäische Fußgängerzonen getingelt, bis 2010 der Straßenmusiker in Lüneburg entdeckt wurde. Sein Stil bewegt sich zwischen Folk, Pop und Chanson und besticht durch dichte, lebenskluge Texte. Nach dem starken Debut Von Engeln und Schweinen ist dieses zweite Album sein stärkstes. Bei Liedern wie Noch früher mal, Bilder wie Gefühle und Aus blauem Himmel strahlt auch immer wieder der Straßenmusiker durch.
Anspieltipp: Aus blauem Himmel

Rhythm and response (2012)
Glen Hansard
Der irische Musiker legte nach dem Überraschungserfolg des Soundtracks zum Film Once (mit Markéta Irglová als The Shell Season) sein erstes Soloalbum vor, das mit wunderbaren Folk-Balladen wie Maybe Not tonight, Love don’t leave me waiting und Song of good hope besticht und auch einige fockrockigere Nummern bereit hält.
Anspieltipp: Love don’t leave me waiting

Aftermath (2014)
Hundreds
Das Geschwisterpaar um Sängerin Eva und Multiinstrumentalist Philipp Milner holte 2014 den Schlagzeuger Florian Wienczny in die Band. Die Hamburger Band spielt einen entspannten Elektropop, der auf diesem zweiten Album zwischen vielen ruhigen Songs wie Circus, Ten Header Beast und Stones und partytauglichen Stücken wie Our Past. Und etwa in Rabbits on the Roof schaut auch mal Tripphop vorbei. Ein Album perfekt für einen chilligen Nachmittag oder Abend.
Anspieltipp: Circus

Norman Fucking Rockwell (2019)
Lana Del Rey
Der Amerikanerin Del Rey liefert mit diesem Album eine betörende, schöne und doppelbödige Beschreibung der amerikanischen Träume und Albträume von Strand, Liebe, Drogen und Lebensfreude. Das durchgängig ruhige Album verbindet unterschiedliche Stile von Folk über Pop bis Krautrockelementen.
Anspieltipp: Mariners Apartment Complex

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